Exklusiv-Interview im Chateau Pompöös, dem geheimen Wohnsitz des schillernden Prince of Pompöös

VOM GLAUBEN UND VON DER GROSSEN SPANNWEITE DES HARALD GLÖÖCKLER

Foto: Maria Schumann

Am Sonntag, den 14. Mai, um 11 Uhr predigt Stardesigner Harald Glööckler im großen Saal des CinemaxX Mannheim über den Glauben, seinen Glauben und wie er durch Glauben zu der Marke wurde, die heute Harald Glööckler ist. Eine Marke, die in über 80 Ländern der Welt erfolgreich ist. An einem geheimen Ort in der Pfalz hinter hohen Mauern aus dunkelgrünen Hecken lebt der Künstler und Unternehmer in seinem Château POMPÖÖS. Dort ist alles extravagant. Vor dem Haus ein Hauch Toskana mit Kunstrasen, Statuen des Herkules, der Maria Muttergottes und des römischen Kaisers Augustus. Hinterm Haus Echtrasen und lauter Statuen des Hausherrn mit der Haartracht des französischen Sonnenkönigs mal in Blau, doch zumeist in Gold. In den drei Salons im Erdgeschoß barock hoch drei. Dazwischen ein Perfektionist in Sachen Style, der locker und aufgeräumt antwortet, wenn man ihm ruhig in die Augen schaut.

Fotos: Maria Schumann

Sie sind irgendwie mit der evangelischen Kirche zusammengekommen und sind auf einmal Prediger geworden. Wie das denn?
Harald Glööckler: Ganz so war das nicht. Erst mal kam eine Anfrage von der deutschen Bibelgesellschaft, ob ich als Künstler nicht für die neue Ausgabe der Lutherbibel ein Bibelcover gestalten wollte. Und das habe ich dann auch gemacht, Thema: Das Paradies. Dadurch wurde „Go Special“ auf mich aufmerksam. Ein Wort gab das andere und so wurde ich Prediger. Bei meinem Gottesdienst in Frankfurt-Höchst war eine gute Freundin, Frau Claudia Bias, als Zuhörerin mit dabei. Und nach meiner Predigt war sie so begeistert und meinte nur: "So einen Gottesdienst brauchen wir unbedingt auch in Mannheim.“


Und was predigt Harald Glööckler so?
Harald Glööckler: Ich spreche über meinen Glauben, über meine Kindheit, über meine Empfindungen, mein Verhältnis zur Kirche. Ob man überhaupt eine Kirche braucht.


Braucht Harald Glööckler die Kirche?
Harald Glööckler: Zum Glauben braucht man per se keine Kirche. Ich brauche keinen Dolmetscher für Gott. Ich brauche auch keine Kirche, die uns richtet, keine Kirche, die mit dem erhobenen Zeigefinger dasteht und Verbote erteilt. Was wir brauchen ist eine Kirche, die uns stützt, wenn wir straucheln, eine Kirche, die uns aufhebt, wenn wir gefallen sind, die uns zu Essen gibt, wenn wir hungern und die uns tröstet, wenn wir traurig sind. Das ist meine Sicht der Dinge und so sehen viele andere das auch.


Wie steht´s mit dem Glauben?
Harald Glööckler: Grundsätzlich ist ein Glaube sehr wichtig. An irgendetwas sollte man glauben. Vor allem sollte man an sich selbst glauben. So geht das schon mal los. Ich verstehe, dass man nicht an einen Mann mit weißen Haaren glaubt, der da oben sitzt und alles erschaffen hat. Oder, dass man bezweifelt, dass es einen Jesus gab. Aber, dass es irgendetwas geben muss, das über unseren Verstand hinausgeht, das ist schon ganz wichtig. Einfach an gar nichts zu glauben, auch nicht an sich selbst, das geht nicht, das ist für mich undenkbar. Man muss im Leben an etwas glauben, an die Wahrheit vielleicht. Für mich ist ein Glaube an Gott, an eine höhere Macht, eine großartige Sache.


Haben Sie persönliche Erfahrungen?
Harald Glööckler: Schon. Ich spüre, dass da Engel sind, eine Mutter Gottes, die einem, wenn nichts mehr weitergeht, weiterhilft, einen in den Arm nimmt. Es ist ein wunderbares Geschenk, wie geschützt wir sind. Wenn wir überlegen, wie schusselig wir oft sind, dann dürften wir ja eigentlich das erste Lebensjahr gar nicht überleben, so wie wir durch die Welt rennen. Man sagt, kleine Kinder haben einen Schutzengel. Die fallen hin und es passiert oft ja wie durch ein Wunder gar nichts. Wir Menschen haben dieses große Glück – wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her. Dann kommt ein Engel. Dann spürt man, dass da etwas ist, was einem hilft.

 

Sie umgeben sich ja auch mit vielen schönen Dingen und Madonnenstatuen und so…
Harald Glööckler: Naja, Armut hatte ich schon. Jetzt probier´ ich´s mal mit Reichtum. Ich bin eben ein barocker Typ. Ich könnte ohne diese barocken Schnörkel und ohne das Gold nicht leben. Andere richten sich ihr Zuhause wie eine Zahnarztpraxis ein. Das kann ja auch jeder machen, wie er möchte. Ich mag eben diesen pompösen Look, dieses Opulente. Ich habe mit sieben Jahren beschlossen, aus einer schwierigen Kindheit heraus mit völlig unfähigen Eltern und umgeben von einer unfähigen Gesellschaft mein eigenes Ding zu machen. Ich dachte mir, dir passt die Familie nicht, dir passt die Welt nicht, also machst du dir die Welt wie sie dir gefällt. Da habe ich mir vorgenommen, ein eigenes Mode-Imperium, ein eigenes Königreich aufzubauen, in dem jede Frau eine Prinzessin ist. 


Wie haben Sie das denn hinbekommen?
Harald Glööckler: Ich habe mir sämtliche Filme, Zeitschriften, Biografien – alles was ich bekommen konnte – über die Rockefellers, über Königshäuser, über Hollywood besorgt. Als Kind gefielen mir besonders die alten Filme mit der Garbo und der Dietrich. Da war so eine wunderbare Eleganz. Das habe ich alles angeschaut, gelesen und alles nochmal gesteigert: noch mehr Schnörkel, noch mehr Gold und noch mehr Glanz. Wenn du schon wünschst, dann doch gleich richtig. Was soll der Geiz.


Einfach wünschen und dann wird es wahr?
Harald Glööckler: Naja, so einfach ist es nicht. Man muss halt wünschen und dann auch fest dran glauben. Das ist ja das mit dem Glauben. Aber wir glauben halt nur, was im Rahmen unseres Denkbaren ist. Wichtig ist auch immer gute Laune. Wenn du arm bist und schlechte Laune hast, will ja kein Mensch was mit dir zu tun haben. Ich habe mich zum Beispiel immer reich angezogen. Je ärmer Sie sind, desto reicher müssen Sie sich anziehen, dann denken alle, Sie haben Geld. Erst mal imitieren, wie Reiche leben und dann passieren die wunderbarsten Sachen. Man muss im Grunde genommen denken, dass es schon geschehen ist und dafür danken. Danken ist sowieso ein ganz großes Ding.


Danken?
Harald Glööckler: Ich danke immer und unentwegt. Dankbar sein bringt Geld ins Haus. Man kann für so vieles danken: für die Blumen am Wegrand, für die guten Straßen, dass es Supermärkte gibt, danke, danke, danke…


Ich bedank´ mich jetzt, dass wir unsere Zeit so sehr überziehen und mache mit meiner nächsten Frage weiter. Warum gehen Sie mit dem „Go Special“-Gottesdienst ins Kino? Warum nicht in eine Kirche, warum nicht auf den Marktplatz?
Harald Glööckler: Kino ist spannend. Gottesdienst kann man überall machen. Und junge Leute sagen bestimmt: „Das ist ja cool“. Es ist überhaupt cool, wieder Glauben zu haben und Glauben zu zeigen. Das war ja lang sehr uncool. Heute ist es wieder cool für junge Leute, dass man an etwas glaubt.


Gibt es ein Motto, einen Spruch, der Harald Glööckler leitet, der Sie auf den Punkt bringt?
Harald Glööckler: Harald Glööckler: Ich habe mal diesen Spruch geprägt und ich glaube, der macht mich auch aus: Ich bin Glamour pur. Ich bin Glamour. Ich bin pur. Das heißt, ich bin im selben Maße exzentrisch wie bodenständig, im selben Maße bin ich Künstler wie Unternehmer und im selben Maße wie ich völlig verrückt bin, bin ich auch konservativ. Meine Spannweite ist sehr groß. Das macht, glaube ich, meine Persönlichkeit aus. Ich bin Zwilling und im Aszendent Löwe. Und mit starken Persönlichkeiten hat man in Deutschland oftmals Probleme.


Die Fragen stellte Herbert W. Rabl