Berlinerin spielt Mannheimerin

DIE FRAU FÜR RADIKALE ROLLEN

Katharina Schüttler ist eine Ausnahme-Schauspielerin. Obwohl noch jung, sucht sich die Mutter von zwei Töchtern ihre Rollen sehr genau aus. Sie spielt mit Vorliebe Charakterrollen, die vom Leben hin und hergerissen sind. Katharina Schüttler ist mit dem Deutschen Fernsehpreis und dem Deutschen Theaterpreis ausgezeichnet.

In dem Film „Die Welt der Wunderlichs“ spielt sie eine alleinerziehende Mutter in Mannheim, die neben einem ADHS-Sohn auch noch einen manisch-durchgeknallten Vater und einen restlos unverantwortlichen Ex-Mann an der Backe hat.


Fotos: Maria Schumann

Wissen Sie, warum der Autor und Regisseur Dani Levy als Heimat der Familie Wunderlich ausgerechnet Mannheim gewählt hat?
Katharina Schüttler: Der SWR war glaube ich schon sehr früh bei dem Projekt mit im Boot und hat es unterstützt, zudem kam ein Großteil der Förderung aus Baden-Württemberg. Dani Levy hat sich dann in der Region viel angeguckt und Mannheim hat ihm gut gefallen. Die Stadt gibt filmisch unheimlich viel her. Ich selber war vorher nur einmal in Mannheim und kannte die Stadt eigentlich gar nicht und war sehr angetan. Ich hatte das Gefühl, wirklich in einer Hafenstadt zu sein, mitten in Deutschland. Mannheim war ein sehr passender Ort für diese Geschichte.

Haben Sie Mannheim ein wenig kennengelernt?
Katharina Schüttler: Ja, ein bisschen. Wir waren ungefähr einen Monat in Mannheim. Da hat man doch ein ziemlich gutes Gespür für die Stadt bekommen.

Hat Ihnen denn irgendwas besonders gefallen?
Katharina Schüttler: Also ich mochte das Jungbusch-Viertel sehr gerne. Mit den Cafés und Kneipen, obwohl ich es auch teilweise ganz schön rau fand. Ich
kann gar nicht genau sagen, was es war, vielleicht eine Art von Bewegung in diesem Viertel, die ich mag.

Laut Wikipedia spielen Sie bevorzugt radikale Rollen, bei denen Menschen in existenziellen Situationen hin und hergerissen sind. Trifft das zu, was Wikipedia schreibt?
Katharina Schüttler: Ach ja, vielleicht schon. Das heißt ja, dass meine Figuren häufig durch Höhen und Tiefen geschleudert werden, was das Milieu, ihre Biografie oder die Handlung des Films angeht. Und das ist ja mitunter das, was einen als Schauspieler herausfordert. Je mehr Tiefen, Untiefen und Höhen zu durchleben sind, je weiter die Wege zu gehen sind, um eine Figur auszuloten und für sich zu entdecken, um so interessanter ist es ja. Aber ich habe auch Spaß an Komödien, und Mimi wird ja irgendwie auch in die ein oder andere existentielle Situation geschmissen.

In dem Film verweigern Sie Ihre Zustimmung, dass Ihrem ADHS-Sohn Ritalin verabreicht wird. Würden Sie sich als Mutter im realen Leben auch so einstellen?
Katharina Schüttler: Dazu kann ich nur bedingt etwas sagen, weil ich nicht weiß, wie das Leben mit einem ADHSKind sich wirklich anfühlt. Alles, was ich zu Ritalin gelesen habe, finde ich ziemlich schrecklich. Grundsätzlich wäre ich aber vielleicht auch der Diagnose ADHS erst einmal kritisch gegenüber. Mein Gefühl sagt mir aber, dass es nicht richtig sein kann, einem Kind Psychopharmaka zu geben.

In dem Film fahren Sie mit dem Roller einen jungen Mann über den Haufen und verlieben sich dann heiß in den. Bahnen sich so in Ihrem Leben Liebesgeschichten an oder ist das völlig konstruiert?
Katharina Schüttler: Warum nicht, im Leben ist doch so gut wie alles möglich. Ich finde das durchaus vorstellbar.

In dem Film sind eine Menge deutschsprachige Stars versammelt. Wie war die Zusammenarbeit?
Katharina Schüttler: Es war in der Tat ein großartiges Ensemble, das Dani Levy für die "Welt der Wunderlichs" zusammengebracht hat. Die Dreharbeiten waren sehr lustig und die Arbeit sehr persönlich. Wir hatten großen Spaß miteinander. Ich hoffe, das spürt man auch, wenn man den Film sieht.

Die Fragen stellte Herbert W. Rabl