Star-Architekt gibt dem CinemaxX in Mannheim ein urbanes Kleid

DER, DER DEN TEMPEL ZUM LEBEN ERWECKT

Jürgen Presser ist ein Ausnahme-Architekt. Obwohl Unternehmer mit Angestellten, ist er geblieben, was er am liebsten ist – ein Künstler, der mit den Werkzeugen der Architektur ein Lebensgefühl erzeugt. Presser und sein Team sind seit vielen Jahren die Haus- und Hofarchitekten der Filmtheaterbetriebe Spickert. Vielleicht liegt es daran, dass die Mannheimer Kinos ein so besonders stylisches Flair haben. Jetzt hat Presser die Komplett-Renovierung des CinemaxX geplant und geleitet.

Foto: Jessen Oestergaard

Wenn Sie Ihre Art der Architektur und des Designs in wenigen Worten erklären müssten, was würden Sie sagen?
Jürgen Presser:
Für mich sind die Reduktion auf wesentliche Gestaltungsmerkmale und Materialien sowie das fühlbar machen von Emotionen zentrale Themen. Meine Arbeit ist einmal mit „Architektur als poetische Reduktion" umschrieben worden. Diese Formulierung gefällt mir und sie beschreibt ziemlich genau mein Anliegen.

Haben Sie beim CinemaxX eine Basilika wieder zum Leben erweckt?
Jürgen Presser:
Ähnlich einem sakralen Raum, treten die Wände heute mit ihrem hellen Putz optisch deut-lich zurück. Lebendigkeit entsteht durch farbiges Licht und bewegte Bilder. LED- Scheinwerfer der neuesten Generation projizieren farbiges und bewegtes Licht an Wände und Decken, großformatige Bildschirme präsentieren Trailer und Kino-News. Das Ziel war zum einen, der ursprünglichen Architektur ihre Identität zurückzugeben und zum anderen die Funktion Kino im Raum erlebbar zu machen.

Welches Lebensgefühl will Ihre Innenarchitektur ansprechen?
Jürgen Presser:
Das CinemaxX Mannheim ist ein Familien-Kino, in dem allen Bevölkerungsgruppen ein attraktives Filmangebot gemacht wird. Dieser Anspruch war architektonisch zu lösen. Wir bieten Flächen an, um sich umzusehen oder sich in kleineren oder größeren Gruppierungen zusammenzufinden. Wir schaffen mitten in der Stadt, im Kino, einen Patio, einen belebten Platz für alle Bevölkerungsgruppen.

Wie würden Sie diese Atmosphäre benennen?
Jürgen Presser:
Urbanität. Wir schaffen innerstädtischen Raum mit urbanem Lebensgefühl: Bewegen in der Öffentlichkeit, sehen und gesehen werden, ganz wie beim Gang durch die Stadt, ein Schmelztiegel, eine Drehscheibe – so ein Platz entsteht im neuen CinemaxX.

Wie kann Architektur so etwas schaffen?
Jürgen Presser:
Indem wir die Atmosphäre eines Großstadt-Kinos erzeugen. Beispiel: der neue Café-Bereich. Die Tische sind als Tresen entlang der großen Fensterflächen angeordnet. Sehen und gesehen werden ist auch hier das Thema. Oder die ehemalige Lounge über der Infotheke im 1.OG. Hier wurde das eschlossene Geländer durch Klarglas ersetzt. Der Besucher schwebt über dem Eingangsfoyer, nimmt Teil am Treiben um Kommen und Gehen. An diesem Ort zeigt man sich und wird wahrgenommen. Urbanität, städtisches Lebensgefühl, Öffentlichkeit, Individualität und doch Gemeinsamkeit. Das war unser Anspruch an das neue Design im CinemaxX.


Die Fragen stellte Herbert W. Rabl