Karl-Heinz Frings nennt gute Gründe für den Kurzfilm-Oscar "Billie Award"

WOHN-KULTUR

Aktuell ruft die städtische Wohnungsbaugesellschaft von Mannheim (GBG) die Jugend von Mannheim auf, ein Filmdrehbuch oder zumindest eine Idee für einen Film einzureichen. Das Projekt ist ein Kurzfilm-Oskar und heißt „Billie Award“. Partner dieser Idee sind die Mannheimer Kinos und Filmschaffende, die mit Workshops die jungen Filmemacher coachen. Wer Ideen hat, hat eine Chance. Warum macht die GBG das? Warum fördert das kommunale Wohnungsbauunternehmen Kultur und animiert Youngsters, ihren eigenen Film zu drehen. Der GBG-Chef, Karl-Heinz Frings, ist um Antworten nicht verlegen.

 

Foto: Christian Dammert

Rund 13 Prozent aller Mannheimer Wohnungen gehören der GBG, und die Tochtergesellschaft BBS soll die Schulen in Schuss halten. Haben Sie da nicht genug zu tun? Warum machen GBG und BBS so viel in Kultur und stiften jetzt sogar mit dem „Billie Award“ einen Kurzfilmpreis, damit Kids zu Filmemachern werden?

Karl-Heinz Frings: Wir begreifen Wohnen nicht nur als das Verschaffen von vier Wänden mit einem Dach darüber. Wohnen ist ein Grundbedürfnis aller Menschen, und wir versuchen über das Wohnen hinaus, den Menschen, die bei uns wohnen, eine Anbindung an ihr Quartier, an das Leben, auch an das kulturelle Leben, zu bieten. Dazu brauchen wir Partner. Wir können das nicht alleine aus uns heraus. Wir können aber unseren Beitrag leisten. Wir bemühen uns sehr, Kinder und Jugendliche gedanklich in die Richtung kultureller Bildung zu fördern. Also ein Ansatz, Wohnen zu begreifen als Teil des Lebens der Menschen, als Teil der Kultur, wenn Sie so wollen. Wir wollen Wohnen und Kultur zusammen denken.

Aber Sie können sich ja auch einfach darauf beschränken zu sagen „Naja, Hauptsache in die Wohnung regnet’s nicht rein und gut ist“. Da hätten Sie doch möglicherweise weniger Aufwand und weniger Kosten, oder?

Karl-Heinz Frings: Wir hätten vielleicht weniger Aufwand und Kosten, aber wir würden unserer Rolle, die wir als städtische Wohnungsbaugesellschaft auch sehen, nicht gerecht. Unsere Rolle ist zu versuchen, den Bewohnern unserer Häuser einen Teil Mannheims mitzugeben. Einen Teil Anbindung an und mit Mannheim. Leben findet nicht nur in der Wohnung statt. Leben ereignet sich in den Quartieren, in der Stadt und hat viele Facetten. Und wenn es uns gelingt, mit unseren Möglichkeiten da den Sport, da die Kultur, da das Quartier und den Kontakt zu anderen Menschen, da die Hilfestellung anzubieten, dann vernetzen wir viel stärker und binden auch an Mannheim. Wir fördern Menschen, die ihrerseits dann wieder Mannheim befördern. Das ist so die Idee dahinter, und deshalb ist Kultur einfach ein wichtiges Merkmal.

Und warum legen Sie jetzt den „Billie Award“ auf?

Karl-Heinz Frings: Unsere Tochtergesellschaft BBS sponsert den „Billie Award“. Die BBS betreut baulich die über 80 Schulen in der Stadt. Das ist nicht einfach nur ein Geschäft mit Steinen, Mauern und Wänden, sondern das lebt und das ist wichtig für unsere Kinder und Jugendlichen, die eben nicht das Gefühl einer Verwahranstalt haben sollen. Wer sich in der Schule wohlfühlt, der lernt auch anders und besser. Deshalb hat der qualitätsvolle Schul- und Bildungsbau eine direkte Rückkopplung auf die Eltern, auch auf die ganze Gesellschaft. Es geht um mehr als darum, in einem Klassenraum 20 Stühle stehen zu haben. Mit dem „Billie Award“ und in Zusammenarbeit mit dem CinemaxX wollen wir direkt die Kinder ansprechen. Die Kinder und Jugendlichen sollen uns eine Idee geben, was sie bewegt in ihrer Lernumgebung, auf dem Schulweg, in ihrem Alltag. Was ist wichtig, was prägt mein Leben. Heute, mittels Smartphone, sind Filme etwas völlig Alltägliches. Und sich über Film auszudrücken, ist heutzutage etwas völlig Normales.

Und wenn dann lauter Filme heraus kommen mit schrägen Szenen vor mit Graffiti beschmierten Wänden?

Karl-Heinz Frings: Das kann passieren. Mir geht es darum, tatsächlich die Kinder aufzufordern: Sagt uns, zeigt uns, womit ihr euch beschäftigt. Es gibt kein Denkverbot. Ich glaube auch, dass es durchaus Dinge gibt, die kritisch diskutiert werden müssen, gar keine Frage. Ganz ehrlich, ich bin mal gespannt, mit welchen Themen die Kinder und Jugendlichen tatsächlich kommen. Die Botschaft ist: Hier hast du die Chance, einen Film zu machen. Das Besondere daran: Du musst den Film nicht selber machen. Du kannst dich auch mit einem kurzen Text, mit einer Idee, mit einem Plot melden – wie auch immer. Und wenn sich die Idee verfängt, dann gibt es einen Workshop mit professioneller Unterstützung, und du kannst einen richtig coolen Film drehen.

Wie kommt ein Unternehmen wie die GBG auf so eine Idee?

Karl-Heinz Frings: Die Idee ist bei uns im Bereich Unternehmenskommunikation entstanden, und zwar aus Gesprächen mit unseren Partnern in den verschiedenen Funktionen, zum Beispiel mit Ihrem Herrn Noreiks und anderen. Film ist ein toller Anknüpfungspunkt, gerade für Jugendliche heute. Und am Ende steht eine große Feier, eine Ehrung in einem Kino, wie auf einem großen Festival.

So richtig mit rotem Teppich und so?

Karl-Heinz Frings: Genau. Mit vielen Leuten und Prominenz dazu. Und plötzlich steht der eine oder andere Jugendliche vielleicht im Mittelpunkt des Ganzen als Award-Gewinner. Ich hoffe, dass auch diese Perspektive dazu führt, dass sich Viele beteiligen.

Gibt es irgendwelche Einschränkungen oder Vorgaben für die Bewerbung?

Karl-Heinz Frings: Man muss nur die Idee erkennen können. Der Rest ist völlig egal. Ob einer einen Zettel schickt oder schon ein kleines Filmchen mit seinem Handy aufgenommen hat. Es muss eine Idee sein, die am Ende das Potential hat, unsere Jury zu überzeugen.

Was hat Sie an der Idee, einen Film-Award aufzulegen, persönlich fasziniert?

Karl-Heiz Frings: Die Idee „Film“ hat mir deshalb sehr gut gefallen, weil ich ein großer Filmliebhaber bin. Ich war und bin ein großer Kinogänger, früher mehr als heute. Gerade in Studentenzeiten und danach hat mich jedes Kino, egal wo ich gewohnt habe, immer mehrfach von innen gesehen. Die Kinos früher haben Nachtvorführungen gemacht. Es gab Kinos mit Bar drin und riesigen Plüschsesseln. Wenn nachts um zwölf der Film „Spiel mir das Lied vom Tod“ lief, war das unglaublich, eine völlig andere Welt. Da fängt dann auch wirklich keiner an, mit der Chipstüte im unpassenden Moment zu rascheln. Kino als Erlebnis und Film als Ausdrucksmöglichkeit faszinieren mich, schon immer. Das hat die Entscheidung sicher befördert.

Alle Infos zum Billie-Award unter: www.billie-award.de

Die Fragen stellte Herbert W. Rabl.